Grundlagen & Technik

Unterschied Photovoltaik und Solarthermie: Was passt zu Ihnen?

Von Thomas ReichertAktualisiert am 8. Juni 20266 Min. Lesezeit

Der Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie einfach erklärt: Strom oder Wärme, Kosten, Dachfläche und welche Anlage sich 2026 wirklich lohnt.

Unterschied Photovoltaik und Solarthermie: Was passt zu Ihnen?
Inhaltsverzeichnis
  1. Strom oder Wärme: das ist der ganze Punkt
  2. Wirkungsgrad: warum die 50-Prozent-Zahl in die Irre führt
  3. Was kostet was, und wann ist es zurückverdient
  4. Wer null Mehrwertsteuer bekommt und wer Förderung
  5. Die ehrliche Empfehlung aus der Praxis
  6. Was Sie vor dem Angebot klären sollten

Wenn ich bei einem Erstgespräch auf dem Dach stehe, kommt fast immer dieselbe Frage. “Herr Reichert, ist das jetzt Solar oder Photovoltaik?” Und genau da fängt das Durcheinander an. Denn “Solar” sagt erstmal nur, dass die Sonne im Spiel ist. Ob aus dem Dach Strom oder warmes Wasser kommt, sind zwei grundverschiedene Baustellen. Buchstäblich.

Ich räume das hier so auf, wie ich es auch dem Kunden am Küchentisch erkläre. Ohne Marketing, mit den Zahlen, die ich aus zwanzig Jahren Montage kenne.

Strom oder Wärme: das ist der ganze Punkt

Photovoltaik macht Strom. Die blauen oder mittlerweile fast schwarzen Module bestehen aus Solarzellen, meist aus Silizium. Trifft Licht auf die Zelle, lösen sich Elektronen und es fließt Gleichstrom. Der Wechselrichter macht daraus Wechselstrom, und damit läuft alles, was eine Steckdose braucht. Kühlschrank, Waschmaschine, Wärmepumpe, Wallbox.

Solarthermie macht Wärme. Auf dem Dach liegen keine Module, sondern Kollektoren. Darin zirkuliert eine Flüssigkeit, ein Wasser-Glykol-Gemisch als Frostschutz. Die Sonne erhitzt diese Flüssigkeit, eine Pumpe schickt sie in den Keller, dort gibt sie die Wärme über einen Wärmetauscher an den Warmwasserspeicher ab. Fertig ist das warme Duschwasser, ohne dass die Heizung anspringen muss.

Der wichtigste Satz vorweg: Strom kann man in Wärme umwandeln, Wärme aber nicht zurück in Strom. Deshalb ist Photovoltaik die vielseitigere Technik. Solarthermie kann genau eine Sache, die aber gut.

Wirkungsgrad: warum die 50-Prozent-Zahl in die Irre führt

In fast jedem Vergleich liest man, Solarthermie habe rund 50 Prozent Wirkungsgrad, Photovoltaik nur 15 bis 20 Prozent. Stimmt auf dem Papier. Ein Thermiekollektor holt aus der gleichen Dachfläche mehr Energie heraus als ein PV-Modul.

Nur sagt diese Zahl wenig darüber aus, was bei Ihnen ankommt. Denn die Wärme aus der Thermie nützt Ihnen nur, wenn Sie sie gerade brauchen. Im Hochsommer, wenn die Kollektoren glühen, ist der Warmwasserspeicher mittags voll und der Rest verpufft. Im Winter, wenn Sie heizen wollen, liefert sie am wenigsten. Solarthermie produziert dann viel, wenn der Bedarf klein ist.

Strom aus der PV-Anlage hat dieses Problem nicht im gleichen Maß. Überschuss geht ins Netz oder in den Speicher, und mit einer Wärmepumpe machen Sie aus 1 Kilowattstunde Strom dank Umweltwärme rund 3 bis 4 Kilowattstunden Heizwärme. Dieser Hebel dreht den Wirkungsgrad-Vergleich komplett. Rechne ich das durch, holt eine gut geplante PV-Anlage am Ende fast immer mehr nutzbare Energie pro Quadratmeter Dach heraus als Thermie. Auch wenn die nackte Wirkungsgrad-Zahl das Gegenteil suggeriert.

Was kostet was, und wann ist es zurückverdient

Hier die Größenordnungen, die ich in meinen Angeboten 2026 ansetze. Preise schwanken nach Region, Dach und Anbieter, aber als Orientierung passt das.

Photovoltaik (10 kWp) Solarthermie (Warmwasser) Solarthermie (mit Heizung)
Anschaffung 13.000 bis 16.000 EUR 4.500 bis 6.500 EUR 8.000 bis 12.000 EUR
mit Speicher 18.000 bis 24.000 EUR im Preis enthalten im Preis enthalten
Dachfläche ca. 45 bis 55 m² 4 bis 6 m² 10 bis 15 m²
Lebensdauer 25 bis 30 Jahre 20 bis 25 Jahre 20 bis 25 Jahre
Amortisation 10 bis 14 Jahre 12 bis 18 Jahre 15 bis 20+ Jahre
spart Stromkosten, oft 70 % bis 60 % der Warmwasserkosten 10 bis 20 % der Heizkosten

Die Solarthermie ist in der Anschaffung günstiger, das stimmt. Aber sie spart eben nur am Warmwasser, und Warmwasser macht in einem normalen Haushalt nur etwa 12 bis 15 Prozent der gesamten Heizenergie aus. Da ist der Topf, aus dem die Ersparnis kommt, einfach klein. Die PV-Anlage kostet mehr, greift aber den großen Stromposten an und liefert dazu noch Einspeisevergütung. Seit der Senkung liegt die bei rund 7,9 Cent pro Kilowattstunde für Anlagen bis 10 kWp (Stand Anfang 2026), nicht üppig, aber sie hilft.

Ein Detail, das in keinem Hochglanzvergleich steht: Bei der Solarthermie muss alle paar Jahre das Glykol getauscht werden, sonst verliert es seine Frostschutz- und Schutzwirkung. Das kostet je nach Anlage 150 bis 400 EUR und wird gerne vergessen. PV-Anlagen brauchen dagegen kaum Wartung, der Wechselrichter ist nach 12 bis 15 Jahren das einzige Teil, das man typischerweise mal tauscht.

Wer null Mehrwertsteuer bekommt und wer Förderung

Photovoltaikanlagen für Wohngebäude kauft man seit 2023 mit 0 Prozent Mehrwertsteuer. Das gilt für Module, Speicher und Montage. Spart sofort 19 Prozent, ohne Antrag, der Installateur stellt die Rechnung einfach netto.

Solarthermie ist von dieser Nullsteuer ausgenommen, da zahlen Sie weiter die volle Mehrwertsteuer. Dafür wird sie über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst, in der Regel mit 25 bis 30 Prozent über die KfW, oft im Paket mit einem Heizungstausch. Das hebt den Punkt also teilweise wieder auf. Wichtig: Den Förderantrag müssen Sie stellen, bevor Sie den Auftrag unterschreiben, sonst ist das Geld weg. Diesen Fehler sehe ich jedes Jahr mehrmals.

Die ehrliche Empfehlung aus der Praxis

Ich werde oft gefragt, was ich denn nun aufs eigene Dach legen würde. Hier meine Sortierung:

  • Neubau oder Heizung steht ohnehin zum Tausch an: Photovoltaik plus Wärmepumpe. Diese Kombination ist heute der Standard, sie deckt Strom und Wärme aus einer Quelle ab und ist über die Jahre am günstigsten.
  • Bestandshaus, Gas- oder Ölheizung bleibt vorerst, viel Dach frei: Photovoltaik. Sie senken die Stromrechnung und können später eine Wärmepumpe dranhängen, ohne neu zu planen.
  • Kleines Dach, hoher Warmwasserbedarf, Heizung soll bleiben: Hier, und eigentlich nur hier, spielt Solarthermie ihre Stärke aus. Vier Personen, die viel duschen, holen mit 5 m² Kollektor spürbar Gas oder Öl aus der Rechnung.
  • Sie wollen beides aufs Dach: Selten sinnvoll. Beide Systeme konkurrieren um denselben Platz und dasselbe Budget. Den Quadratmeter, den die Thermie belegt, hätte die PV oft produktiver genutzt.

Diese letzte Variante, das Kombidach, war vor zehn Jahren noch beliebt. Heute baue ich sie fast nie mehr. Nicht weil sie nicht funktioniert, sondern weil die Wärmepumpe der Solarthermie den Rang abgelaufen hat. Eine PV-Anlage, die im Sommer den Pufferspeicher der Wärmepumpe mitlädt, macht im Grunde dasselbe wie Thermie, nur flexibler und ohne zweites Rohrsystem im Haus.

Was Sie vor dem Angebot klären sollten

Bevor Sie überhaupt Angebote einholen, beantworten Sie für sich drei Dinge. Erstens: Wie hoch ist Ihr Stromverbrauch im Jahr, steht auf der letzten Abrechnung. Zweitens: Wie heizen Sie heute und wie lange soll das so bleiben. Drittens: Wie groß und wie ausgerichtet ist die Dachfläche, Süd ist ideal, Ost-West geht auch gut, reines Nord lohnt nicht.

Mit diesen drei Antworten kann jeder seriöse Betrieb in zehn Minuten sagen, ob Photovoltaik, Solarthermie oder die Kombination mit Wärmepumpe zu Ihnen passt. Und wenn Ihnen jemand Thermie verkaufen will, ohne nach dem Heizsystem zu fragen, würde ich das Angebot nicht unterschreiben.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Photovoltaik und Solarthermie?+

Photovoltaik wandelt Sonnenlicht in Strom um, Solarthermie wandelt Sonnenwärme in warmes Wasser um. Eine PV-Anlage versorgt Geräte, Wärmepumpe und Auto, eine Solarthermieanlage liefert ausschließlich Wärme für Warmwasser und teils Heizungsunterstützung.

Was ist effizienter, Photovoltaik oder Solarthermie?+

Pro Quadratmeter Dach wandelt Solarthermie mehr Sonnenenergie um (rund 50 Prozent gegenüber 20 Prozent bei PV). Strom ist aber vielseitiger nutzbar, deshalb holt eine moderne PV-Anlage mit Wärmepumpe in der Praxis meist mehr aus dem Dach heraus.

Kann man Photovoltaik und Solarthermie kombinieren?+

Ja, technisch geht das, wenn die Dachfläche reicht. Lohnenswert ist die Kombination aber selten, weil sich beide Systeme um denselben Platz und dasselbe Budget streiten. Häufiger ist heute die Kombination aus PV und Wärmepumpe.

Lohnt sich Solarthermie 2026 überhaupt noch?+

Für reine Warmwasserbereitung in einem bestehenden Haus mit Gas- oder Ölheizung kann sich Solarthermie rechnen. Bei Neubau oder Heizungstausch ist die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe in den meisten Fällen wirtschaftlicher und flexibler.

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