Grundlagen & Technik

Was ist Photovoltaik? Der Einsteiger-Ratgeber für Solarstrom

Von Miriam GrünwaldAktualisiert am 8. Juni 20266 Min. Lesezeit

Was ist Photovoltaik? Eine Steuerberaterin erklärt Aufbau, Funktion und Kosten einer Solaranlage verständlich, mit echten Zahlen für 2026.

Was ist Photovoltaik? Der Einsteiger-Ratgeber für Solarstrom
Inhaltsverzeichnis
  1. Photovoltaik in einem Satz
  2. Wie aus Sonnenlicht Strom wird
  3. Aus diesen Teilen besteht eine PV-Anlage
  4. Was eine Anlage 2026 kostet
  5. Was Sie mit dem Strom machen
  6. Steuern, der Punkt, an dem die meisten zögern
  7. Lohnt sich das für Sie?

Die häufigste Frage, die mir in der Beratung gestellt wird, klingt erstaunlich simpel: “Frau Grünwald, wie kommt der Strom eigentlich vom Dach in die Steckdose?” Dahinter steckt fast immer etwas anderes, nämlich die Sorge, viel Geld in eine Technik zu stecken, die man nicht versteht. Genau deshalb fange ich hier nicht mit Quarzsand und Halbleiterphysik an, sondern bei dem, was Sie als Hausbesitzer wirklich brauchen: ein klares Bild davon, was da auf dem Dach passiert, woraus die Anlage besteht und mit welchen Zahlen Sie 2026 rechnen.

Photovoltaik in einem Satz

Photovoltaik wandelt Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. Das Wort setzt sich aus dem griechischen “phos” (Licht) und der Maßeinheit Volt zusammen, also grob “Stromspannung aus Licht”.

Wichtig ist die Abgrenzung, weil hier viele durcheinanderkommen: Photovoltaik macht Strom. Solarthermie macht Wärme, also warmes Wasser oder Heizungsunterstützung. Beides sitzt auf dem Dach, beides nutzt die Sonne, aber es sind zwei völlig verschiedene Technologien. Wenn jemand “Solaranlage” sagt, meint er meistens Photovoltaik. In diesem Text geht es ausschließlich um Strom.

Wie aus Sonnenlicht Strom wird

Das Herzstück ist die Solarzelle. Sie besteht zu etwa 95 Prozent aus Silizium, das aus ganz normalem Quarzsand gewonnen und aufwendig gereinigt wird. Eine einzelne Zelle ist hauchdünn, nur rund 0,2 Millimeter.

Trifft Sonnenlicht auf diese Zelle, schlagen die Lichtteilchen (Photonen) Elektronen aus dem Silizium heraus. Die Zelle ist so aufgebaut, dass diese Elektronen alle in eine Richtung wandern. Und bewegte Elektronen sind nichts anderes als elektrischer Strom. Das nennt man den photoelektrischen Effekt, beschrieben hat ihn übrigens schon Albert Einstein, dafür gab es 1921 den Nobelpreis.

Was dabei oft überrascht: Die Zelle braucht kein direktes Sonnenlicht und keine Hitze. Helligkeit reicht. Deshalb produziert eine Anlage auch an einem bewölkten Tag im Februar Strom, nur eben weniger. Und sehr hohe Temperaturen sind für die Module sogar eher hinderlich, der Wirkungsgrad sinkt bei großer Hitze leicht. Ein klarer, kühler Apriltag ist für die Stromausbeute besser als 38 Grad im Hochsommer.

Der Haken: Eine Solarzelle liefert Gleichstrom, so wie eine Batterie. Aus der Steckdose kommt aber Wechselstrom. Diese Umwandlung übernimmt der Wechselrichter, dazu gleich mehr.

Aus diesen Teilen besteht eine PV-Anlage

In der Praxis fragen mich Mandanten oft, wofür sie eigentlich bezahlen. Die Komponentenliste ist kürzer, als die meisten denken.

  • Solarmodule. Mehrere Zellen sind hinter Glas in einem Alurahmen verschaltet, das ist ein Modul. Ein Standardmodul wiegt 20 bis 25 Kilogramm und liefert heute meist 400 bis 450 Watt. Für ein Einfamilienhaus liegen typischerweise 20 bis 30 Module auf dem Dach.
  • Unterkonstruktion. Schienen und Halter, mit denen die Module am Dach befestigt werden. Unspektakulär, aber sicherheitsrelevant, denn das hält 25 Jahre Wind und Schnee aus.
  • Wechselrichter. Macht aus dem Gleichstrom der Module den Wechselstrom für Ihr Hausnetz. Er überwacht außerdem die ganze Anlage und liefert die Daten für die App, in der Sie Ihre Erträge sehen.
  • Verkabelung und Zähler. Spezielle Solarkabel führen den Strom zum Wechselrichter. Dazu kommt ein moderner Zweirichtungszähler, der misst, wie viel Strom Sie beziehen und wie viel Sie ins Netz einspeisen.
  • Stromspeicher (optional). Eine große Batterie, die überschüssigen Tagstrom für den Abend aufhebt. Kein Pflichtteil, aber inzwischen sehr verbreitet.

Der Weg des Stroms ist damit schnell erzählt: Module erzeugen Gleichstrom, der Wechselrichter macht Wechselstrom daraus, dieser fließt zuerst in Ihre Geräte. Was Sie gerade nicht verbrauchen, geht in den Speicher oder ins öffentliche Netz.

Was eine Anlage 2026 kostet

Hier kommt der Teil, den die großen Ratgeber gern auslassen, vermutlich weil die meisten von Herstellern stammen. Ich sehe die Rechnungen meiner Mandanten und kann Ihnen halbwegs realistische Spannen nennen. Die Preise sind in den letzten zwei Jahren spürbar gefallen.

Anlagengröße Ohne Speicher Mit Speicher Jahresertrag (ca.)
5 kWp (kleines Dach) 8.000 - 11.000 € 13.000 - 17.000 € 4.500 - 5.000 kWh
10 kWp (Einfamilienhaus) 12.000 - 18.000 € 18.000 - 25.000 € 9.000 - 10.000 kWh
15 kWp (großes Dach) 17.000 - 24.000 € 24.000 - 33.000 € 13.000 - 15.000 kWh

Diese Zahlen sind Hausnummern für schlüsselfertige Anlagen, also inklusive Montage und Anmeldung. Was den Preis nach oben oder unten zieht: Dachform und Dachdeckung, ob ein Gerüst nötig ist, die Qualität der Module und vor allem die Größe des Speichers. Ein Speicher kostet schnell 6.000 bis 9.000 Euro extra.

Ein Detail, das viele freut: Seit dem 1. Januar 2023 gilt für die Lieferung und Installation einer privaten PV-Anlage der Nullsteuersatz. Das heißt, auf der Rechnung steht null Prozent Mehrwertsteuer. Bei einer Anlage für 20.000 Euro sind das rund 3.800 Euro, die Sie früher draufgezahlt hätten. Das gilt für Anlagen bis 30 kWp auf oder an Wohngebäuden, und das deckt nahezu jedes Einfamilienhaus locker ab.

Was Sie mit dem Strom machen

Eine Anlage liefert Strom dann, wenn die Sonne scheint, also vor allem mittags. Verbraucht wird im Haushalt aber morgens und abends. Aus dieser Lücke ergibt sich die wichtigste Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit, der Eigenverbrauch.

Ohne Speicher nutzen Sie grob 25 bis 35 Prozent Ihres Solarstroms selbst, den Rest speisen Sie ein. Mit Speicher steigt der Eigenverbrauch auf 60 bis 70 Prozent. Warum das so wichtig ist? Weil selbst genutzter Solarstrom Sie umgerechnet nur etwa 7 bis 10 Cent pro Kilowattstunde kostet, während Sie für Netzstrom 2026 je nach Tarif 30 bis 40 Cent zahlen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist also bares Geld.

Für den eingespeisten Strom bekommen Sie die Einspeisevergütung. Die liegt 2026 bei kleinen Anlagen bei rund 7,9 Cent pro Kilowattstunde und ist für 20 Jahre fest garantiert. Das ist kein großer Reibach mehr wie vor fünfzehn Jahren, aber ein verlässlicher Zuschuss. Mein nüchterner Rat aus der Steuerpraxis: Rechnen Sie eine Anlage nie über die Einspeisung schön, sondern über den vermiedenen Stromeinkauf. Da liegt der eigentliche Hebel.

Steuern, der Punkt, an dem die meisten zögern

Das ist mein Fachgebiet, und ich kann Sie beruhigen: Für die allermeisten privaten Anlagen ist das Thema seit 2023 deutlich einfacher geworden.

Anlagen bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern sind seit dem Steuerjahr 2022 von der Einkommensteuer befreit. Sie müssen die Einnahmen aus Einspeisung und Eigenverbrauch also nicht mehr in der Steuererklärung angeben und keine Anlage EÜR ausfüllen. Beim Kauf greift der erwähnte Nullsteuersatz. In der Summe heißt das für ein normales Eigenheim: kein Mehrwertsteuerärger beim Kauf, keine laufende Einkommensteuer auf den Solarstrom.

Was Sie trotzdem nicht vergessen dürfen: die Anmeldung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, in der Regel innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme. Das ist kostenlos und online erledigt, aber Pflicht. Und beim Netzbetreiber muss die Anlage ebenfalls angemeldet werden, das macht meist der Installateur.

Lohnt sich das für Sie?

Eine ordentlich geplante 10-kWp-Anlage ohne Speicher amortisiert sich derzeit oft in 9 bis 12 Jahren, mit Speicher eher in 11 bis 15 Jahren. Danach produziert sie noch über ein Jahrzehnt fast kostenlosen Strom. Das ist keine Geldmaschine, aber eine der wenigen Investitionen am Eigenheim, die sich solide rechnet und gleichzeitig den Strompreis für die Zukunft planbar macht.

Wenn Sie konkret werden wollen, ist der sinnvollste erste Schritt nicht das Einholen von zehn Angeboten, sondern ein nüchterner Blick auf Ihre letzte Stromrechnung. Notieren Sie Ihren Jahresverbrauch in Kilowattstunden und wann Sie Strom brauchen, eher tagsüber im Homeoffice oder abends nach der Arbeit. Mit diesen zwei Werten lässt sich abschätzen, ob ein Speicher Sinn ergibt und wie groß die Anlage sein sollte. Erst danach lohnt das Gespräch mit dem Solarteur, und Sie gehen nicht als Laie, sondern mit einer klaren Vorstellung hinein.

Häufige Fragen

Was bedeutet Photovoltaik einfach erklärt?+

Photovoltaik ist die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom. In den Solarzellen lösen die Lichtteilchen Elektronen aus dem Silizium, dadurch fließt Gleichstrom. Ein Wechselrichter macht daraus normalen Haushaltsstrom.

Was kostet eine Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus 2026?+

Eine schlüsselfertige Anlage mit rund 10 kWp kostet 2026 meist zwischen 12.000 und 18.000 Euro, mit Stromspeicher eher 18.000 bis 25.000 Euro. Seit 2023 gilt der Nullsteuersatz, es fällt also keine Mehrwertsteuer an.

Lohnt sich Photovoltaik ohne Stromspeicher?+

Ja, sehr oft. Ohne Speicher nutzen Sie etwa 25 bis 35 Prozent Ihres Solarstroms selbst, mit Speicher 60 bis 70 Prozent. Ein Speicher erhöht die Unabhängigkeit, rechnet sich aber wegen der hohen Anschaffungskosten nicht immer schneller.

Wie lange hält eine Photovoltaikanlage?+

Module laufen in der Regel 25 bis 30 Jahre, Hersteller geben oft 25 Jahre Leistungsgarantie auf rund 85 Prozent. Der Wechselrichter ist das schwächste Glied und muss meist nach 12 bis 15 Jahren einmal getauscht werden.

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