Solarthermie oder Photovoltaik? Der direkte Vergleich
Von Thomas ReichertAktualisiert am 8. Juni 20266 Min. Lesezeit
Solarthermie oder Photovoltaik: ein Solarteur vergleicht Ertrag pro Quadratmeter, Kosten über 20 Jahre, Wartung und sagt klar, was sich 2026 für wen lohnt.

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Letzte Woche saß ich bei einem Ehepaar in Reutlingen, beide Mitte fünfzig, Haus von 1998, Gasheizung noch fit. Auf dem Tisch lagen zwei Angebote: einmal Solarthermie für die Dusche, einmal eine PV-Anlage. Sie wollten von mir nur eines wissen. Welches Blatt sollen wir unterschreiben?
Das ist die Frage, um die es hier geht. Nicht “was ist der Unterschied”, das wissen die meisten inzwischen. Sondern: Wenn ich mich entscheiden muss, weil Geld und Dach nun mal begrenzt sind, was gewinnt? Ich vergleiche das so, wie ich es an dem Küchentisch gemacht habe, mit echten Zahlen und einer klaren Reihenfolge.
Erst die ehrliche Antwort, dann die Begründung
Damit Sie nicht bis zum Schluss warten müssen: In acht von zehn Fällen, die bei mir auf dem Tisch landen, gewinnt Photovoltaik. Nicht weil sie pro Quadratmeter mehr Sonne einfängt, das tut sie nicht. Sondern weil Strom alles kann und Wärme nur eine Sache.
Solarthermie ist kein schlechtes Produkt. Sie ist ein Spezialist, und Spezialisten gewinnen nur auf ihrem eigenen Spielfeld. Das Reutlinger Ehepaar gehörte fast dazu, am Ende kam es auf einen einzigen Punkt an. Dazu später.
Der Vergleich, der wirklich zählt: Ertrag pro Quadratmeter Dach
In jedem zweiten Ratgeber steht, Solarthermie habe 70 bis 80 Prozent Wirkungsgrad und Photovoltaik nur 14 bis 22 Prozent. Diese Zahl stimmt und führt trotzdem in die Irre, weil sie die falsche Frage beantwortet. Wirkungsgrad sagt, wie viel der einfallenden Energie das Modul umwandelt. Wichtiger ist, wie viel davon bei Ihnen im Haus tatsächlich ankommt und einen Euro spart.
Rechnen wir es einmal durch, für einen Quadratmeter Süddach in Süddeutschland übers Jahr:
| Solarthermie | Photovoltaik | PV mit Wärmepumpe | |
|---|---|---|---|
| Ertrag pro m² und Jahr | ca. 350 bis 500 kWh Wärme | ca. 180 bis 210 kWh Strom | 180 bis 210 kWh Strom |
| davon nutzbar | oft nur 50 bis 70 % | nahezu 100 % | nahezu 100 % |
| Wärme daraus (Faktor) | 1 : 1 | direkt nutzbar | 1 kWh Strom = 3 bis 4 kWh Wärme |
| Verlust im Sommer | hoch, Speicher voll | gering, Überschuss ins Netz | gering |
Der Knackpunkt steht in der letzten Zeile. Solarthermie liefert am meisten, wenn keiner die Wärme braucht. Im Juli kocht der Kollektor, der 300-Liter-Speicher ist um halb elf voll, und alles, was danach kommt, ist weg. Im Januar, wenn Sie heizen wollen, kommt am wenigsten. Die Anlage produziert gegen den Bedarf.
Strom hat dieses Problem kaum. Überschuss wandert in den Speicher, ins Auto oder ins Netz. Und über die Wärmepumpe macht jede Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Heizwärme. Dieser Hebel kippt die schöne 80-Prozent-Zahl der Thermie. Am Ende holt ein gut belegtes PV-Dach mehr nutzbare Energie pro Quadratmeter heraus, obwohl das Modul auf dem Papier schlechter aussieht.
Was beide über 20 Jahre wirklich kosten
Anschaffungspreise vergleichen ist Anfängerfehler. Eine Anlage liegt ja zwei Jahrzehnte auf dem Dach. Deshalb hier die Größenordnungen, mit denen ich 2026 kalkuliere, einmal über die ganze Laufzeit gedacht.
| Photovoltaik (10 kWp + Speicher) | Solarthermie (Warmwasser) | |
|---|---|---|
| Anschaffung | 18.000 bis 24.000 EUR | 4.500 bis 6.500 EUR |
| Mehrwertsteuer | 0 % seit 2023 | volle 19 % |
| Wartung über 20 Jahre | Wechselrichtertausch, ca. 1.500 EUR | Glykolwechsel, Pumpe, ca. 1.500 bis 3.000 EUR |
| spart pro Jahr | 800 bis 1.200 EUR | 150 bis 300 EUR |
| Amortisation | 10 bis 14 Jahre | 14 bis 20 Jahre |
Sehen Sie den Unterschied bei der jährlichen Ersparnis? Die Solarthermie ist halb so teuer, spart aber nur ein Fünftel bis ein Sechstel. Das liegt nicht an der Technik, sondern an der Mathematik des Hauses: Warmwasser macht in einem normalen Haushalt nur etwa 12 bis 15 Prozent des Energiebedarfs aus. Aus so einem kleinen Topf kann auch die beste Anlage nicht viel schöpfen.
Zwei Posten, die in keinem Hochglanzvergleich auftauchen und die ich aus der Praxis kenne. Erstens: Bei der Thermie muss das Wasser-Glykol-Gemisch alle paar Jahre getauscht werden, sonst verliert es Frostschutz und Korrosionsschutz. Kostet je nach Anlage 150 bis 400 EUR und wird gern vergessen, bis der Kollektor friert. Zweitens: Eine PV-Anlage über 7 kW braucht inzwischen ein intelligentes Messsystem, die sogenannte Steuerbox. Rechnen Sie dafür einmalig 100 bis 200 EUR und eine kleine Jahresgebühr ein. Klein, aber niemand sagt es vorher.
Förderung: hier dreht sich das Bild teilweise zurück
Bei den Kosten sieht PV gut aus, bei der Förderung holt die Thermie etwas auf. Das gehört zur Ehrlichkeit dazu.
Photovoltaik kaufen Sie seit 2023 mit null Prozent Mehrwertsteuer, für Module, Speicher und Montage. Das spart sofort 19 Prozent, ohne Antrag. Eine direkte Zuschussförderung gibt es bundesweit dagegen kaum noch, dafür die Einspeisevergütung von rund 7,9 Cent pro Kilowattstunde für Anlagen bis 10 kWp (Stand Anfang 2026). Nicht üppig, aber sie läuft 20 Jahre.
Solarthermie zahlt die volle Mehrwertsteuer, wird dafür über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bezuschusst, in der Regel mit 25 bis 30 Prozent, im Paket mit einem Heizungstausch sogar mehr. Ein Satz, den ich nicht oft genug sagen kann: Der Förderantrag muss raus, bevor Sie den Auftrag unterschreiben. Wer erst kauft und dann den Antrag stellt, bekommt nichts. Diesen Fehler sehe ich jedes Jahr mehrmals, und es tut jedes Mal weh.
Der dritte Weg, über den kaum jemand redet: PVT
Wenn jemand wirklich Strom und Wärme aus derselben kleinen Dachfläche will, gibt es seit einigen Jahren PVT-Module, auch Hybridkollektoren genannt. Das sind PV-Module, hinter denen Wasserleitungen liegen. Oben fällt Strom an, die Abwärme der Zellen wird unten als Wärme abgeführt, meist für die Wärmepumpe als Quelle. Zwei Erträge, eine Fläche.
Klingt nach der perfekten Lösung und ist in der Praxis eine Nische. Die Module sind teuer, die Planung anspruchsvoll, und sie spielen ihre Stärke nur in einem System mit Wärmepumpe aus. Ich habe sie zweimal verbaut, beide Male auf sehr kleinen Stadthausdächern, wo jeder Quadratmeter zählte. Für den normalen Reihenhausbesitzer ist es Stand 2026 noch keine Empfehlung. Aber gut zu wissen, dass es das gibt, falls Ihnen jemand “geht beides nicht aufs Dach” erzählt.
So entscheiden Sie in fünf Minuten
Statt einer pauschalen Empfehlung sortiere ich nach Haushaltstyp, das hilft am Tisch am meisten:
- Neubau oder die Heizung steht ohnehin zum Tausch an. Photovoltaik plus Wärmepumpe, ohne langes Nachdenken. Strom und Wärme aus einer Quelle, über die Jahre die günstigste Variante. Solarthermie braucht hier niemand mehr.
- Bestandshaus, Gas oder Öl bleibt vorerst, Dach ist frei. Photovoltaik. Erst die Stromrechnung senken, die Wärmepumpe lässt sich später dranhängen, ohne dass Sie neu planen müssen.
- Kleines Dach, vier Personen, die viel duschen, Heizung soll bleiben. Jetzt, und fast nur jetzt, gewinnt Solarthermie. Mit 5 m² Kollektor holen Sie spürbar Gas oder Öl aus der Warmwasserrechnung.
- Sie wollen beides. Selten klug. Lieber PV plus Wärmepumpe, oder im Ausnahmefall PVT.
Und das Reutlinger Ehepaar? Bestandshaus, Gasheizung, aber nur zwei Personen und ein eher sparsamer Warmwasserverbrauch. Damit fiel die Solarthermie durch, der kleine Warmwassertopf wäre noch kleiner gewesen. Sie haben die PV-Anlage genommen, mit Platz für eine Wärmepumpe in ein paar Jahren. Hätten sie täglich zwei Wannenbäder gebraucht, hätte ich anders geraten.
Eine Sache zum Schluss, die mehr wert ist als jede Tabelle: Wenn ein Verkäufer Ihnen Solarthermie anbietet, ohne vorher nach Ihrem Heizsystem und Ihrem Warmwasserverbrauch zu fragen, legen Sie das Angebot weg. Diese zwei Zahlen entscheiden alles, und wer sie nicht wissen will, verkauft Ihnen ein Produkt, nicht eine Lösung.
Häufige Fragen
Solarthermie oder Photovoltaik, was lohnt sich 2026 mehr?+
Für die meisten Haushalte lohnt sich Photovoltaik mehr, weil Strom flexibel nutzbar ist und mit einer Wärmepumpe auch das Heizen übernimmt. Solarthermie rechnet sich nur in einem engen Fall: Bestandshaus mit Gas- oder Ölheizung, hohem Warmwasserbedarf und kleiner Restdachfläche.
Was ist günstiger in der Anschaffung, Solarthermie oder Photovoltaik?+
Solarthermie ist in der reinen Anschaffung günstiger, eine Warmwasseranlage liegt bei 4.500 bis 6.500 Euro, eine 10-kWp-PV-Anlage bei 13.000 bis 16.000 Euro. Über 20 Jahre dreht sich das Bild aber, weil PV den größeren Kostenposten Strom angreift und kaum Wartung braucht.
Kann ich mich nicht für beides entscheiden?+
Technisch ja, sinnvoll selten. Beide Systeme streiten um denselben Dachplatz und dasselbe Budget. Wer beides will, fährt heute meist besser mit PV plus Wärmepumpe oder mit einem PVT-Modul, das Strom und Wärme auf einer Fläche erzeugt.
Welche Anlage hält länger und macht weniger Arbeit?+
Photovoltaik. Module laufen 25 bis 30 Jahre fast wartungsfrei, nur der Wechselrichter wird nach 12 bis 15 Jahren getauscht. Solarthermie braucht regelmäßig Glykolwechsel und eine funktionierende Umwälzpumpe, das summiert sich über die Laufzeit.


