Betrieb & Steuern

Wärmepumpe mit Photovoltaik: Lohnt sich die Kombination?

Von Miriam GrünwaldAktualisiert am 8. Juni 20267 Min. Lesezeit

Wärmepumpe mit Photovoltaik: realistische Kosten, Eigenverbrauch im Winter, Steuern und ab wann sich die Kombination wirklich rechnet.

Inhaltsverzeichnis
  1. Warum die Kombination grundsätzlich Sinn ergibt
  2. Der Winter ist das Problem, nicht die Technik
  3. Was die Kombination kostet
  4. Die Steuerseite, die kaum jemand erklärt
  5. Lohnt sich ein Batteriespeicher dazu?
  6. Worauf es bei der Steuerung ankommt
  7. Ab wann sich die Kombination rechnet

Die schönste Rechnung, die mir in der Kanzlei untergekommen ist, stammte von einem Mandanten aus dem Münsterland. Er hatte sich ausgerechnet, seine 9-kWp-Anlage würde die neue Wärmepumpe “praktisch kostenlos” betreiben. Im April lag er damit auch richtig. Im Januar zog die Pumpe ihren Strom zu rund 85 Prozent aus dem Netz, während die Module unter einer dünnen Schneeschicht Pause machten. Das ist der Punkt, an dem die meisten Online-Rechner zu optimistisch sind, und genau da fängt die ehrliche Betrachtung an.

Ich beschäftige mich beruflich vor allem mit der steuerlichen Seite von Solaranlagen. Aber wer die Steuer einer PV-Wärmepumpen-Kombi sauber rechnen will, muss erst verstehen, wie viel Solarstrom überhaupt in der Pumpe landet. Und dieser Anteil ist kleiner, als die Hochglanzbroschüren vermuten lassen.

Warum die Kombination grundsätzlich Sinn ergibt

Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom je nach Jahresarbeitszahl drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Sie ist also ein Stromverbraucher, und zwar ein ordentlicher. Ein Einfamilienhaus, das vorher 4.000 kWh Haushaltsstrom brauchte, liegt mit Wärmepumpe schnell bei 7.000 bis 9.000 kWh im Jahr.

Genau dieser höhere Verbrauch ist der eigentliche Grund, warum PV und Wärmepumpe gut zusammenpassen. Solarstrom, den Sie selbst verbrauchen, ist mit rund 6 bis 11 Cent pro Kilowattstunde Gestehungskosten konkurrenzlos günstig. Netzstrom kostet aktuell um die 27 bis 32 Cent. Jede Kilowattstunde, die die Pumpe vom Dach statt aus dem Netz nimmt, spart also etwa 20 Cent. Die Einspeisevergütung liegt für neue Anlagen nur noch bei rund 7,9 Cent. Daraus folgt eine simple Logik: Selbst verbrauchen schlägt einspeisen um das Drei- bis Vierfache. Ein großer Verbraucher im Haus ist deshalb finanziell willkommen.

So weit die Theorie, die alle Ratgeber teilen. Die interessante Frage ist, wie viel davon im realen Jahresverlauf übrig bleibt.

Der Winter ist das Problem, nicht die Technik

Die unbequeme Wahrheit: Eine Wärmepumpe braucht den meisten Strom dann, wenn die PV-Anlage am wenigsten liefert. Im Hochsommer produzieren die Module viel, die Pumpe macht aber höchstens Warmwasser. Im Dezember ist es umgekehrt.

In der Praxis sehe ich bei den Abrechnungen meiner Mandanten ungefähr dieses Bild übers Jahr:

Zeitraum PV-Ertrag Heizbedarf Solarer Deckungsgrad Heizung
Dezember bis Februar sehr gering sehr hoch etwa 10 bis 20 %
März, April, Oktober mittel bis hoch mittel 40 bis 70 %
Mai bis September hoch nur Warmwasser 80 bis 100 %

Über das ganze Jahr deckt die PV typischerweise 25 bis 35 Prozent des reinen Heizstroms ab, mit Speicher etwas mehr. Wer im Beratungsgespräch hört, die Wärmepumpe laufe “mit Sonnenstrom”, sollte nachfragen, welcher Monat gemeint ist. Im Sommer stimmt es, im Winter nicht.

Das ist kein Argument gegen die Kombination. Es ist ein Argument gegen falsche Erwartungen. Wer mit 25 bis 35 Prozent solarer Heizdeckung plant, wird am Ende positiv überrascht. Wer mit 70 Prozent plant, ist enttäuscht.

Was die Kombination kostet

Die Zahlen schwanken stark, je nach Haus, Region und ob saniert werden muss. Als grobe Orientierung für ein Einfamilienhaus zum Stand 2026:

Komponente Kostenrahmen Anmerkung
Luft-Wasser-Wärmepumpe inkl. Einbau 14.000 bis 26.000 € vor Förderung
PV-Anlage 8 bis 12 kWp 10.000 bis 22.000 € je nach Dach und Modulqualität
Batteriespeicher 8 bis 10 kWh 4.000 bis 8.000 € optional, siehe unten
Summe ohne Speicher rund 24.000 bis 48.000 €

Wichtig für die Förderung: Die Wärmepumpe wird über die BEG bezuschusst, aktuell bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten, gedeckelt bei 21.000 Euro Zuschuss. Die PV-Anlage bekommt diesen Zuschuss nicht, hier hilft allenfalls ein zinsgünstiger KfW-Kredit. Man darf die beiden Töpfe also nicht verwechseln, und man kann den 70-Prozent-Zuschuss nicht auf die Solarmodule ausdehnen.

Ein Detail aus der Beratung: Die Höchstfördersätze setzen sich aus mehreren Boni zusammen, etwa dem Einkommensbonus für Haushalte mit zu versteuerndem Einkommen bis 40.000 Euro. Nicht jeder bekommt 70 Prozent. Realistisch sind für viele Haushalte eher 30 bis 55 Prozent.

Die Steuerseite, die kaum jemand erklärt

Hier kommt mein eigentliches Fachgebiet, und hier kursieren erstaunlich viele Halbwahrheiten.

Seit dem 1. Januar 2023 gilt für die Lieferung und Installation kleiner PV-Anlagen der Nullsteuersatz. Sie zahlen also keine Umsatzsteuer auf die Anlage und müssen im Gegenzug keine Umsatzsteuer auf Ihren Solarstrom abführen, weder auf die Einspeisung noch auf den Eigenverbrauch. Das war früher anders und hat viele Hausbesitzer in die Kleinunternehmerregelung oder in lästige Voranmeldungen getrieben. Dieser Aufwand ist für neue Anlagen weg.

Einkommensteuerlich sind PV-Anlagen bis 30 kWp pro Wohneinheit seit 2022 steuerbefreit. Für die normale Dachanlage eines Einfamilienhauses heißt das konkret: Sie müssen weder die Einspeisevergütung noch einen rechnerischen Wert des selbst verbrauchten Stroms in der Einkommensteuererklärung angeben. Die Anlage L oder G entfällt. Das vereinfacht die Sache enorm.

Was das für die Wärmepumpe bedeutet: Der Strom, den Ihre PV in die Pumpe schickt, ist steuerlich ein Nichtereignis. Kein Eigenverbrauchswert, keine Umsatzsteuer, keine Entnahme. Sie sparen schlicht den Netzbezug. Diese Einfachheit ist ein unterschätzter Vorteil, denn vor 2023 war genau die Aufteilung “wie viel Solarstrom ging in die Wärmepumpe” eine steuerliche Rechnerei. Heute interessiert das niemanden mehr.

Eine Einschränkung gilt für Anlagen, die deutlich über 30 kWp liegen oder gewerblich betrieben werden. Wer ein größeres Dach voll belegt, sollte das vorher mit dem Steuerberater durchsprechen, weil dann andere Regeln greifen können.

Lohnt sich ein Batteriespeicher dazu?

Das ist die Frage, bei der ich am häufigsten zur Vorsicht rate. Ein Speicher klingt nach dem fehlenden Puzzlestück, ist es für die Heizung aber meist nicht.

Der Grund ist derselbe wie oben: Im Winter, wenn die Pumpe viel zieht, ist der Speicher abends längst leer und tagsüber kommt kaum etwas nach. Ein 10-kWh-Speicher überbrückt im Sommer die Nacht für den Haushalt, hilft der Wärmepumpe im Januar aber kaum. Die Mehrersparnis durch den Speicher liegt in vielen Rechnungen bei nur 200 bis 400 Euro im Jahr, bei 4.000 bis 8.000 Euro Anschaffung. Das ergibt Amortisationszeiten, die schnell an die Lebensdauer der Batterie heranreichen.

Mein praktischer Rat: Rechnen Sie den Speicher über den Haushaltsstrom und das Sommerhalbjahr, nicht über die Heizung. Wenn er sich dort trägt, ist er eine sinnvolle Ergänzung. Als Heizstrom-Lösung für den Winter taugt er kaum. Wer Strom über den Tag verschieben will, holt mit einem klug gesteuerten Warmwasserspeicher oft mehr heraus als mit einer teuren Batterie.

Worauf es bei der Steuerung ankommt

Damit überhaupt Solarstrom in der Pumpe landet, müssen beide Systeme miteinander reden. Stichwort SG-Ready: Über eine simple vierstufige Relaissteuerung kann die PV der Wärmepumpe signalisieren, dass gerade Überschuss da ist, woraufhin die Pumpe das Warmwasser etwas höher aufheizt oder den Heizpuffer lädt. Modernere Systeme nutzen Modbus oder EEBUS und regeln feiner.

Aus Erfahrung: Diese Überschusssteuerung bringt im Frühjahr und Herbst spürbar etwas, im tiefen Winter fast nichts, weil schlicht kein Überschuss da ist. Achten Sie trotzdem darauf, dass Ihre Pumpe SG-Ready beherrscht. Das kostet kaum extra und Sie holen damit die Übergangsmonate ab, in denen die größten Einsparungen liegen.

Ein zweiter Punkt, den Installateure manchmal übersehen: Wärmepumpe und PV sollten denselben Verbrauchszähler nutzen, sonst zählt das Netz Strom, den Sie eigentlich selbst erzeugt haben. Lassen Sie sich den Zählerplatz vor dem Einbau zeigen.

Ab wann sich die Kombination rechnet

Stellen wir die Beispielrechnung sauber auf. Ein gut gedämmtes Einfamilienhaus, 9-kWp-Anlage, Luft-Wasser-Wärmepumpe, kein Speicher:

  • Heizstrombedarf der Pumpe etwa 4.500 kWh im Jahr
  • Davon solar gedeckt rund 30 Prozent, also 1.350 kWh
  • Ersparnis gegenüber Netzbezug bei 20 Cent Differenz: etwa 270 Euro im Jahr allein für die Heizung
  • Dazu der Eigenverbrauch beim Haushaltsstrom und die Einspeisevergütung für den Rest

Unter dem Strich liegt die Gesamtersparnis gegenüber einer Gasheizung je nach Annahmen bei rund 900 bis 2.000 Euro im Jahr. Die große Spanne kommt vom Gaspreis, vom CO2-Preis und davon, wie viel Strom Sie zusätzlich im Haushalt selbst verbrauchen.

Die Kombination lohnt sich vor allem in drei Fällen: Sie bauen ohnehin neu oder sanieren das Dach. Ihr Haus ist gut gedämmt, sodass die Pumpe mit niedriger Vorlauftemperatur effizient läuft. Und Sie planen, lange im Haus zu bleiben, denn die Amortisation braucht ihre zehn bis fünfzehn Jahre. In einem unsanierten Altbau mit alten Heizkörpern und hohem Wärmebedarf wird die Pumpe ineffizient und die PV deckt davon einen noch kleineren Anteil. Dann sollten Sie erst die Dämmung angehen.

Wenn Sie nur eine Sache aus diesem Text mitnehmen: Planen Sie die PV groß genug, sparen Sie sich den Speicher fürs Erste, und freuen Sie sich über die Übergangsmonate statt über den Winter. Den Steuerkram müssen Sie bei einer normalen Hausanlage übrigens nicht fürchten. Der ist seit 2023 angenehm langweilig geworden, und das ist als Steuerberaterin ein Satz, den ich selten sage.

Häufige Fragen

Wie viel kWp Photovoltaik brauche ich für eine Wärmepumpe?+

Als Faustregel rechnet man 1 kWp pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch. Mit Wärmepumpe landet ein Einfamilienhaus schnell bei 8 bis 10 kWp, oft sind 10 bis 12 kWp sinnvoll, weil die Pumpe den Verbrauch deutlich anhebt.

Wie viel vom Solarstrom nutzt die Wärmepumpe im Winter wirklich?+

Ehrlich wenig. Im Dezember und Januar deckt die PV oft nur 10 bis 20 Prozent des Heizstroms. Den Großteil ziehen Sie aus dem Netz. Der Eigenverbrauch findet im Frühjahr und Herbst statt, nicht in der kältesten Phase.

Muss ich den selbst verbrauchten Solarstrom für die Wärmepumpe versteuern?+

Beim Eigenverbrauch fällt seit dem Nullsteuersatz keine Umsatzsteuer mehr an, und einkommensteuerlich sind kleine Anlagen bis 30 kWp pro Wohneinheit befreit. Steuerpflichtig wird in der Praxis fast nur die Einspeisevergütung, und auch die bei kleinen Anlagen meist nicht.

Lohnt sich ein Batteriespeicher zur Wärmepumpe?+

Für den Heizbetrieb selten. Ein Speicher mit 8 bis 10 kWh überbrückt die Nacht im Sommer, hilft aber im Winter kaum, wenn Sie ihn am meisten bräuchten. Rechnen Sie ihn eher über den Haushaltsstrom als über die Heizung.

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