Lohnt sich Photovoltaik 2026? Rechnung & Amortisation
Von Thomas ReichertAktualisiert am 8. Juni 20266 Min. Lesezeit
Lohnt sich Photovoltaik 2026? Ein Solarteur rechnet ehrlich vor: Kosten, Amortisation, Eigenverbrauch und wann sich die Anlage eben nicht lohnt.

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Letzte Woche war ich auf einem Dach in der Nähe von Hannover, klassisches Satteldach, Süden, kein Baum weit und breit. Der Eigentümer hatte sich vorab im Internet eine Amortisation von sechs Jahren ausgerechnet und war fast enttäuscht, als ich ihm sagte: bei dir werden es eher zehn. Nicht weil das Dach schlecht ist, sondern weil seine Online-Rechnung mit einem Strompreis von 45 Cent und einem Eigenverbrauch von 70 Prozent kalkuliert hatte. Beides war zu optimistisch. Genau da fängt das Problem an. Die Frage, ob sich Photovoltaik lohnt, lässt sich beantworten, aber nur mit ehrlichen Zahlen.
Ich baue diese Anlagen seit über zwanzig Jahren ein, inzwischen weit über zweitausend Stück. Was im Prospekt steht und was hinterher auf der Stromrechnung passiert, sind zwei verschiedene Welten. Also rechnen wir das hier mal so durch, wie ich es einem Kunden am Küchentisch erkläre.
Was eine Anlage 2026 kostet, ehrlich kalkuliert
Die Modulpreise sind in den letzten drei Jahren regelrecht abgestürzt. Eine schlüsselfertige 10-kWp-Anlage ohne Speicher bekommt man 2026 je nach Region und Dach für 9.000 bis 13.000 Euro. Das ist deutlich günstiger als noch 2022, damals lag dasselbe System gut 30 bis 40 Prozent höher.
Der Speicher ist der große Posten obendrauf. Ein vernünftiger 10-kWh-Akku kostet inklusive Einbau noch einmal 5.000 bis 8.000 Euro. Und hier wird oft gemogelt: Viele Angebote bündeln Anlage plus Speicher zu einem runden Paketpreis und verstecken, dass der Speicher eben den Großteil der Mehrkosten ausmacht.
| Komponente | Preisspanne 2026 (schlüsselfertig) |
|---|---|
| PV-Anlage 10 kWp, ohne Speicher | 9.000 bis 13.000 Euro |
| Stromspeicher 10 kWh | 5.000 bis 8.000 Euro |
| Wallbox (separat) | 800 bis 1.500 Euro |
| Wechselrichter-Tausch nach ca. 12-15 Jahren | 1.200 bis 2.000 Euro |
Den letzten Punkt vergessen fast alle. Der Wechselrichter ist das einzige Bauteil, das in der Lebenszeit der Anlage mit hoher Wahrscheinlichkeit einmal getauscht werden muss. Die Module selbst halten 25 Jahre und mehr, die kümmern mich kaum. Den Wechselrichter rechne ich immer mit ein, sonst stimmt die Bilanz hinten nicht.
Warum sich der Eigenverbrauch lohnt und nicht das Einspeisen
Hier liegt der ganze Hebel. Strom aus dem Netz kostet 2026 im Schnitt um die 37 bis 42 Cent pro Kilowattstunde. Für jede Kilowattstunde, die Sie selbst aus dem eigenen Dach verbrauchen, sparen Sie genau diesen Betrag. Für eingespeisten Strom bekommen Sie dagegen seit Februar 2026 nur noch 7,78 Cent bei Teileinspeisung.
Das ist ein Verhältnis von rund fünf zu eins. Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ist fünfmal so viel wert wie eine verkaufte. Deshalb sage ich jedem Kunden: Es geht nicht darum, möglichst viel Strom zu erzeugen, sondern möglichst viel davon selbst zu nutzen.
Und genau das ist der Knackpunkt. Ohne Speicher und ohne große Verbraucher tagsüber liegt der typische Eigenverbrauch eines Vierpersonenhaushalts bei etwa 25 bis 35 Prozent. Der Rest geht für 7,78 Cent ins Netz. Wer morgens das Haus verlässt und abends wiederkommt, produziert genau dann am meisten, wenn niemand zu Hause ist.
Die ehrliche Amortisationsrechnung
Nehmen wir den Kunden aus Hannover. 10 kWp, gute Südlage, etwa 9.500 Kilowattstunden Ertrag im Jahr. Verbrauch im Haus: 4.500 Kilowattstunden. Ohne Speicher.
- Eigenverbrauch rund 30 Prozent, also etwa 1.350 kWh selbst genutzt
- Ersparnis dadurch: 1.350 kWh mal 0,40 Euro = 540 Euro im Jahr
- Eingespeist werden rund 8.150 kWh, das bringt 8.150 mal 0,0778 Euro = etwa 634 Euro
- Gesamter jährlicher Vorteil: rund 1.174 Euro
Bei Anschaffungskosten von 11.000 Euro landet man bei einer Amortisation von etwa neuneinhalb Jahren, plus dem späteren Wechselrichter. Realistisch zehn Jahre. Danach läuft die Anlage noch gut zehn bis fünfzehn Jahre praktisch geschenkt weiter. Über die ganze Laufzeit ist das eine Rendite von vier bis sechs Prozent. Solide, aber kein Goldesel.
Jetzt das Gleiche mit Speicher. Der Eigenverbrauch steigt auf 60 bis 70 Prozent, die jährliche Ersparnis klettert auf vielleicht 1.000 bis 1.100 Euro nur aus dem Eigenverbrauch. Aber die Anlage kostet jetzt 17.000 statt 11.000 Euro. Unterm Strich verlängert sich die Amortisation in den meisten Fällen, statt sie zu verkürzen. Das hören viele nicht gern, aber so rechnet es sich nun mal bei aktuellen Speicherpreisen.
Wann sich Photovoltaik nicht lohnt
Diesen Abschnitt findet man auf den meisten Vergleichsseiten gar nicht, dabei ist er der wichtigste. Es gibt Dächer, von denen ich abrate, und das kostet mich dann eben einen Auftrag.
- Starke Verschattung. Ein einziger Schornstein oder Baum, der ab Mittag das halbe Dach verschattet, frisst überproportional viel Ertrag. Mit Optimierern lässt sich einiges retten, aber wenn der Nachbar eine ausgewachsene Eiche hat, wird das nichts Vernünftiges.
- Reine Nordausrichtung. Ost-West geht inzwischen gut, weil es den Ertrag über den Tag streckt. Reines Norddach lohnt fast nie.
- Sehr niedriger Verbrauch. Wer als Single unter 2.000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht und tagsüber nie zu Hause ist, hat zu wenig Eigenverbrauch, um die Anlage schnell genug abzubezahlen.
- Marode Dacheindeckung. Wenn das Dach in fünf bis acht Jahren ohnehin neu muss, baut man die Anlage zweimal ab und auf. Dann lieber gleich zusammen sanieren.
Bei den ersten drei Punkten sage ich klar: Das rechnet sich für Sie nicht in absehbarer Zeit. Lieber ehrlich als ein unzufriedener Kunde nach zwei Jahren.
Das Solarspitzengesetz und warum 2026 noch zählt
Seit Februar 2025 gilt: Wer eine neue Anlage in Betrieb nimmt, bekommt in Stunden mit negativen Strompreisen an der Börse keine Einspeisevergütung mehr. Das klingt dramatischer, als es ist. Diese Stunden werden hinten an die 20-jährige Förderdauer angehängt, gehen also nicht verloren. Bestandsanlagen sind komplett außen vor.
Wichtiger ist der Blick auf 2027. Im aktuellen Entwurf für die EEG-Reform soll die garantierte Einspeisevergütung für neue Hausanlagen bis 25 kWp gestrichen werden. Das ist noch kein beschlossenes Gesetz, Stand jetzt liegt es als Arbeitsentwurf aus dem Wirtschaftsministerium vor. Aber die Richtung ist klar.
Praktisch heißt das: Wer seine Anlage bis zum 31. Dezember 2026 ans Netz bringt, sichert sich die volle Vergütung nach heutigem Recht für 20 Jahre. Bei mir in der Auftragsplanung merke ich das deutlich, die Termine für das zweite Halbjahr füllen sich schon jetzt. Wer 2026 noch bauen will, sollte spätestens im Spätsommer den Vertrag machen, sonst wird es eng mit dem Netzanschluss vor dem Jahreswechsel.
Was die Online-Rechner gern verschweigen
Ich habe schon viele dieser Wirtschaftlichkeitsrechner gesehen, und fast alle haben dieselben Schwächen. Sie rechnen mit einem zu hohen Eigenverbrauch, sie unterschlagen den Wechselrichtertausch, und sie nehmen oft an, dass der Strompreis jedes Jahr um vier Prozent steigt. Letzteres ist in den letzten zwölf Monaten so nicht eingetreten, der Preis lag eher seitwärts.
Mein Rat aus der Praxis: Rechnen Sie konservativ. Setzen Sie den Eigenverbrauch ohne Speicher auf 30 Prozent, nicht auf 50. Nehmen Sie 7,78 Cent Einspeisung, nicht die alten 8,2. Und packen Sie 1.500 Euro für den Wechselrichter in 13 Jahren mit ein. Wenn sich die Anlage dann immer noch in zehn bis elf Jahren rechnet, ist sie eine gute Entscheidung. Und das tut sie bei einem normalen Einfamilienhaus mit halbwegs vernünftigem Dach fast immer.
Wenn Sie ohnehin über eine Wärmepumpe oder ein E-Auto nachdenken, dreht sich die ganze Rechnung übrigens nach oben. Beide verbrauchen viel Strom, und beide lassen sich gut tagsüber laden. Dann kommen Sie auch ohne Speicher auf 50 Prozent Eigenverbrauch und mehr, und die Anlage hat sich teilweise nach sieben oder acht Jahren bezahlt gemacht. Das ist der Fall, bei dem ich ohne Zögern zusage.
Häufige Fragen
In wie vielen Jahren amortisiert sich eine Photovoltaikanlage 2026?+
Bei einem Einfamilienhaus mit guter Südausrichtung und einem Eigenverbrauch um die 30 Prozent liegt die Amortisation ohne Speicher meist bei 9 bis 12 Jahren. Mit Speicher wird es eher länger, 11 bis 14 Jahre, weil der Speicher selbst Geld kostet. Wer eine Wärmepumpe oder ein E-Auto tagsüber lädt, kommt deutlich schneller in den grünen Bereich.
Wann lohnt sich Photovoltaik nicht?+
Bei stark verschattetem Dach, reiner Nordausrichtung, sehr niedrigem Stromverbrauch unter 2.000 Kilowattstunden im Jahr oder wenn das Dach in wenigen Jahren ohnehin neu gedeckt werden muss. Auch wer fast den ganzen Tag außer Haus ist und keinen Speicher will, schöpft kaum Eigenverbrauch ab.
Lohnt sich ein Stromspeicher zur PV-Anlage?+
Wirtschaftlich ist der Speicher 2026 oft ein Nullsummenspiel. Er erhöht die Unabhängigkeit und den Eigenverbrauch deutlich, kostet aber 5.000 bis 8.000 Euro und hält selten länger als seine Module. Wer ihn vor allem für das gute Gefühl und die Notstromfähigkeit will, ist ehrlicher beraten als wer auf Rendite hofft.
Sollte ich 2026 noch eine PV-Anlage bauen oder warten?+
Wer 2026 in Betrieb geht, sichert sich die volle 20-jährige Einspeisevergütung nach altem Recht. Für Anlagen ab 2027 ist die garantierte Vergütung für neue Hausanlagen im Entwurf gestrichen. Bauen lohnt sich also eher jetzt, allein schon wegen der Planungssicherheit.


