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Solaranlage mieten oder kaufen? Vor- und Nachteile im Vergleich

Von Miriam GrünwaldAktualisiert am 8. Juni 20266 Min. Lesezeit

Solaranlage mieten oder kaufen? Echte Mietraten, ein 20-Jahres-Vergleich mit Kredit und die Vertragsfallen, auf die man vor der Unterschrift achten muss.

Solaranlage mieten oder kaufen? Vor- und Nachteile im Vergleich
Inhaltsverzeichnis
  1. Was Mieten wirklich heißt
  2. Die monatlichen Raten 2026
  3. Kaufen, mit und ohne Kredit
  4. Der ehrliche 20-Jahres-Vergleich
  5. Der Punkt, den Mietverkäufer ungern erwähnen: die Mehrwertsteuer
  6. Die zwei Vertragsklauseln, die wirklich zählen
  7. Für wen sich Mieten trotzdem lohnt

Eine Kundin rief mich letzten Herbst an, weil ihr ein Berater am Küchentisch vorgerechnet hatte, sie zahle für eine gemietete Solaranlage “nur 129 Euro im Monat, weniger als die Stromrechnung heute”. Klang gut. Was er nicht dazusagte: Die Laufzeit betrug 20 Jahre, die Rate war fix, und am Ende standen über 30.000 Euro auf dem Papier, für eine Anlage, die im Kauf rund 15.000 gekostet hätte. Sie hat nicht unterschrieben. Trotzdem ist die Frage berechtigt, denn nicht für jeden ist der Kauf die richtige Antwort. Schauen wir uns das nüchtern an.

Was Mieten wirklich heißt

Beim Mietmodell bleibt die Anlage Eigentum des Anbieters. Sie zahlen eine feste monatliche Rate, dafür übernimmt der Anbieter Planung, Montage, Versicherung und Wartung. Der Strom vom eigenen Dach gehört Ihnen, der Überschuss wird eingespeist und Ihnen gutgeschrieben. Verträge laufen meist 15 bis 25 Jahre, in der Praxis sehe ich fast immer 20.

Klingt erstmal wie ein Rundum-sorglos-Paket, und genau so wird es verkauft. Der Haken steckt nicht in einem einzelnen Posten, sondern in der Summe. In der Monatsrate sind Zinsen, der Gewinn des Anbieters und ein dicker Sicherheitsaufschlag eingepreist. Das ist kein Betrug, das ist Kalkulation. Sie bezahlen Bequemlichkeit, und Bequemlichkeit hat über 20 Jahre einen ordentlichen Preis.

Die monatlichen Raten 2026

Die Spanne ist groß, weil sie von Größe, Speicher und Laufzeit abhängt. Was 2026 realistisch ist:

Anlage Miete pro Monat Über 20 Jahre
6 kWp ohne Speicher ab ca. 80 Euro rund 19.000 Euro
6 kWp mit Speicher ab ca. 115 Euro rund 27.500 Euro
10 kWp mit Speicher ab ca. 135 Euro rund 32.000 Euro

Die Raten bleiben über die gesamte Laufzeit gleich, das ist der eine echte Vorteil: Sie wissen auf den Euro genau, was Sie zahlen. Manche Anbieter koppeln die Rate aber an eine Indexierung, dann steigt sie jährlich um ein bis zwei Prozent. Steht das im Vertrag, rechnen Sie die 20 Jahre noch einmal durch, das macht schnell ein paar Tausend Euro aus.

Kaufen, mit und ohne Kredit

Der große Einwand gegen den Kauf lautet immer: “Ich habe doch nicht 15.000 Euro herumliegen.” Müssen Sie auch nicht. Eine 10-kWp-Anlage mit Speicher kostet 2026 schlüsselfertig etwa 15.000 bis 18.000 Euro. Wer das nicht aus dem Ersparten zahlt, finanziert. Eine Bank oder die KfW gibt Kredite mit Laufzeiten um die zehn Jahre, die Monatsrate liegt dann grob bei 130 bis 180 Euro, also ähnlich wie eine Miete. Der Unterschied: Nach zehn Jahren ist der Kredit weg, und die Anlage produziert noch zehn Jahre und länger Strom, der Sie nichts mehr kostet.

Genau hier zeigt sich der Bruch zwischen den beiden Modellen. Beim Kredit zahlen Sie zehn Jahre und besitzen danach alles. Bei der Miete zahlen Sie 20 Jahre und besitzen am Ende vielleicht nichts.

Der ehrliche 20-Jahres-Vergleich

Nehmen wir das typische Einfamilienhaus, 10 kWp mit Speicher, und legen die drei Wege nebeneinander. Die Zahlen sind gerundet, aber im Verhältnis stimmen sie.

Posten Mieten Kauf bar Kauf per Kredit
Anschaffung 0 Euro rund 16.000 Euro rund 16.000 Euro
Zahlungen über 20 Jahre rund 32.000 Euro 0 Euro rund 19.000 Euro (mit Zinsen)
Wartung, Versicherung enthalten rund 4.000 Euro rund 4.000 Euro
Gesamtaufwand rund 32.000 Euro rund 20.000 Euro rund 23.000 Euro
Eigentum am Ende je nach Vertrag ja ja

Selbst gegen den Kreditkauf, der ja auch Zinsen kostet, liegt die Miete am Ende rund 9.000 Euro höher. Gegen den Barkauf sind es eher 12.000 Euro. Das deckt sich mit dem, was Verbraucherzentrale und ADAC sagen: Mietmodelle sind über die Laufzeit fast immer teurer, weil die Servicekosten eingepreist sind. Der finanzielle Vorteil der Miete, wenn er denn kommt, zeigt sich oft erst nach Vertragsende.

Was in dieser Tabelle bewusst fehlt: die Steuer. Und die ist beim Kauf ein echtes Argument.

Der Punkt, den Mietverkäufer ungern erwähnen: die Mehrwertsteuer

Seit 2023 gilt der Nullsteuersatz auf Photovoltaikanlagen bis 30 kWp. Wer kauft, zahlt auf Anlage und Speicher null Prozent Mehrwertsteuer. Bei einer 16.000-Euro-Anlage sind das knapp 2.500 Euro, die Sie sich sparen.

Beim Mieten greift dieser Vorteil nicht in voller Höhe für Sie, weil Sie keine Anlage kaufen, sondern eine Dienstleistung beziehen. Der Anbieter profitiert vom Nullsteuersatz beim Einkauf, was an Sie weitergegeben wird, hängt vom Anbieter ab. In der Praxis landet dieser Vorteil selten so direkt beim Mieter wie beim Käufer. Das ist ein Detail, das in den meisten Vergleichen untergeht, aber bares Geld bedeutet.

Die zwei Vertragsklauseln, die wirklich zählen

Wenn Sie trotz allem mieten wollen oder müssen, lesen Sie diese zwei Stellen besonders genau.

Erstens, die Übernahme nach Laufzeitende. Es gibt Verträge, bei denen die Anlage nach 20 Jahren kostenlos in Ihr Eigentum übergeht. Es gibt aber auch welche, bei denen Sie sie zum Restwert abkaufen müssen oder der Anbieter sie sogar abbaut und mitnimmt. Eine Anlage, die nach 20 Jahren noch problemlos zehn weitere Jahre läuft, einfach wieder herzugeben, wäre der teuerste Teil des ganzen Geschäfts. Verlangen Sie eine klare Formulierung, dass die Anlage am Ende ohne Zuzahlung Ihnen gehört.

Zweitens, das Insolvenzrisiko. Die Anlage gehört bis zum letzten Tag dem Anbieter. Geht der pleite, fällt sie in die Insolvenzmasse. Was dann mit Wartung, Garantie und Ihrem Vertrag passiert, ist im Zweifel Sache eines Insolvenzverwalters. Genau das ist Mietkunden einzelner Anbieter in den vergangenen Jahren passiert, und sie hängen teils bis heute in der Schwebe. Wer kauft, hat dieses Risiko nicht, die Anlage gehört ihm vom ersten Tag.

Für wen sich Mieten trotzdem lohnt

Ich rate nicht pauschal vom Mieten ab. Es gibt Lebenslagen, in denen es passt:

  • Sie haben kein Eigenkapital und bekommen aus Bonitätsgründen keinen vernünftigen Kredit.
  • Sie wollen sich um nichts kümmern, kein Handwerker, keine Steuererklärung, keine Versicherung, und zahlen für diese Ruhe bewusst drauf.
  • Sie planen, in einigen Jahren zu verkaufen, und wollen kein Kapital im Dach binden (auch wenn eine gekaufte Anlage den Hauswert eher hebt).
  • Ihr Dach oder Ihre Situation ist so unklar, dass Sie das Risiko lieber an einen Anbieter abgeben.

In allen anderen Fällen, und das ist die Mehrheit, fahren Sie mit dem Kauf besser, notfalls über einen Kredit. Die Bequemlichkeit der Miete ist real, aber sie kostet über 20 Jahre eben so viel wie ein Kleinwagen.

Mein praktischer Rat, bevor Sie irgendwo unterschreiben: Holen Sie sich parallel zum Mietangebot zwei Kaufangebote ein und lassen Sie sich von Ihrer Hausbank eine Kreditrate für die gleiche Anlage nennen. Legen Sie die drei Monatsraten nebeneinander. Wenn die Kreditrate ähnlich hoch ist wie die Miete, ist die Entscheidung meistens schon gefallen, denn der Kredit endet nach zehn Jahren und die Anlage gehört Ihnen. Genau dieser eine Vergleich auf einem Blatt Papier hat schon viele Küchentisch-Unterschriften verhindert.

Häufige Fragen

Was kostet es, eine Solaranlage zu mieten?+

2026 liegen die monatlichen Raten je nach Größe und Speicher zwischen rund 50 und 300 Euro. Eine 6-kWp-Anlage ohne Speicher beginnt bei etwa 80 Euro im Monat, mit Speicher eher bei 115 Euro. Für 10 kWp mit Speicher zahlen Sie häufig ab 135 Euro. Über 20 Jahre summiert sich das schnell auf 32.000 Euro und mehr.

Lohnt sich Mieten oder Kaufen einer Solaranlage mehr?+

Rein finanziell gewinnt der Kauf fast immer. Über 20 Jahre zahlen Mieter oft 10.000 bis 18.000 Euro mehr als Käufer, weil Finanzierungs- und Servicekosten in der Rate stecken. Mieten kann sich lohnen, wenn man kein Eigenkapital binden will, keinen Kredit bekommt oder den Aufwand komplett abgeben möchte.

Gehört die Solaranlage nach der Mietzeit mir?+

Nur wenn es so im Vertrag steht. Bei vielen Anbietern wird die Anlage nach 20 bis 25 Jahren kostenlos übernommen, bei anderen muss man sie zum Restwert abkaufen oder der Anbieter baut sie ab. Diesen Punkt sollte man vor der Unterschrift schwarz auf weiß haben.

Was passiert bei Insolvenz des Mietanbieters?+

Die Anlage gehört bis zum Vertragsende dem Anbieter und fällt in die Insolvenzmasse. Im schlimmsten Fall übernimmt ein Insolvenzverwalter den Vertrag, Wartung und Garantie sind dann unklar. Pacht- und Mietkunden einzelner insolventer Anbieter kämpfen genau damit. Wer kauft, besitzt die Anlage sofort und ist davon unabhängig.

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