Planung & Installation

Solaranlage selber bauen: Anleitung und worauf Sie achten müssen

Von Thomas ReichertAktualisiert am 8. Juni 20266 Min. Lesezeit

Solaranlage selber bauen: Was Sie als Laie wirklich dürfen, welche Schritte der Elektriker übernehmen muss, was es kostet und wo die teuren Fehler lauern.

Solaranlage selber bauen: Anleitung und worauf Sie achten müssen
Inhaltsverzeichnis
  1. Was Sie selbst dürfen, und was nicht
  2. Die Schritte der Reihe nach
  3. Welches Werkzeug Sie brauchen
  4. Was es am Ende kostet
  5. Der Punkt, an dem es richtig teuer wird
  6. Für wen sich der Eigenbau wirklich lohnt

Vor zwei Sommern stand ich auf einem Dach bei Celle und durfte eine Anlage abnehmen, die der Hausbesitzer komplett selbst gebaut hatte. Module sauber verlegt, Schienen gerade, optisch tadellos. Dann habe ich die Steckverbinder kontrolliert. Drei davon waren von zwei verschiedenen Herstellern, einfach zusammengesteckt, weil sie ja “passen”. Sie passen mechanisch, ja. Elektrisch ist das eine Brandstelle mit Ansage. Genau an solchen Stellen entscheidet sich, ob Selbermachen eine kluge Spar-Idee ist oder ein teurer Umweg.

Ich will Ihnen das nicht ausreden. Es gibt gute Gründe, beim Bau einer Solaranlage selbst mit anzupacken, und ich erkläre gleich, welche Teile Sie ruhig übernehmen können. Aber es gibt einen klaren Schnitt zwischen dem, was ein geschickter Heimwerker darf, und dem, was rechtlich und sicherheitstechnisch in die Hände eines Elektrofachbetriebs gehört.

Was Sie selbst dürfen, und was nicht

Fangen wir mit der wichtigsten Unterscheidung an, weil im Netz dazu viel Halbwissen kursiert. In Deutschland dürfen Sie als Eigentümer die mechanische Montage auf Ihrem eigenen Dach selbst durchführen. Dachhaken setzen, Montageschienen verschrauben, Module auflegen und klemmen, die DC-Strings stecken. Das ist erlaubt.

Was Sie nicht dürfen: den Anschluss an Ihr Hausnetz und die Inbetriebnahme. Sobald die Gleichstromseite des Wechselrichters auf die Wechselstromseite trifft und Strom in Ihre Hausverteilung fließt, greift die Niederspannungsanschlussverordnung. Diese Arbeit darf nur ein im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragener Elektrofachbetrieb machen. Punkt. Der Betrieb meldet die Anlage auch beim Netzbetreiber an und erstellt das Inbetriebnahmeprotokoll nach VDE-AR-N 4100.

Es geht dabei nicht um Schikane. Auf der DC-Seite einer normalen Hausanlage liegen bei Sonne schnell 500 bis 700 Volt an, und zwar Gleichspannung. Die kennt keinen Nulldurchgang. Ein Lichtbogen, der bei 230 Volt Wechselstrom von selbst verlischt, brennt bei 600 Volt Gleichstrom einfach weiter. Das ist der Grund, warum ich bei den Steckverbindern so penibel bin.

Die Schritte der Reihe nach

Die Reihenfolge auf der Baustelle ist immer dieselbe, egal ob ich montiere oder Sie. Wer eine Stufe überspringt, merkt das spätestens beim nächsten Schritt.

  1. Dach prüfen. Statik, Sparrenabstand, Zustand der Ziegel. Ein Dach, das in fünf Jahren neu gedeckt werden muss, deckt man vorher, nicht nachher.
  2. Dachhaken setzen. Sie werden am Sparren verschraubt, nicht an der Lattung. Den Ziegel darüber muss man oft mit dem Winkelschleifer ausklinken, damit er wieder flach aufliegt.
  3. Montageschienen ausrichten. Hier zählt jeder Millimeter, weil sonst die Modulklemmen später nicht sitzen.
  4. Module auflegen und mit End- und Mittelklemmen befestigen. Anzugsmoment beachten, meist 15 bis 20 Newtonmeter.
  5. DC-Strings verkabeln. Plus an Plus der Reihe, sauber in den Schienen geführt, nichts hängt frei.
  6. Wechselrichter montieren, möglichst kühl und schattig, nie in der prallen Sonne unterm Dach.
  7. Ab hier übernimmt der Elektriker: AC-Anschluss, Leitungsschutzschalter, Zähler, Inbetriebnahme.

Den größten Zeitfresser unterschätzen die meisten beim Schritt zwei. Wenn die Sparren nicht dort sitzen, wo man sie vermutet, sucht man jeden Haken einzeln. Bei meinem letzten Eigenbau-Kunden hat das Dachhaken-Setzen allein anderthalb Tage gedauert, weil ein altes Pfettendach mit unregelmäßigen Abständen darunter lag.

Vor dem ersten Handgriff steht aber die Planung, und die kostet kein Geld. Mit dem kostenlosen PVGIS-Rechner der EU geben Sie Ihre Adresse, Dachneigung und Ausrichtung ein und bekommen den zu erwartenden Jahresertrag auf die Kilowattstunde genau. Bei einer Südausrichtung und 35 Grad Neigung liegt der spezifische Ertrag in Norddeutschland bei rund 950 bis 1.000 Kilowattstunden pro kWp, in Bayern eher bei 1.050 bis 1.150. Diese Zahl brauchen Sie, um die Stringlänge und den Wechselrichter richtig zu dimensionieren. Ein zu kleiner Wechselrichter kappt im Sommer die Spitzen, ein zu großer läuft den Rest des Jahres im schlechten Wirkungsgrad.

Welches Werkzeug Sie brauchen

Die wenigsten Heimwerker-Anleitungen sagen ehrlich, was wirklich auf dem Dach liegt. Das hier ist die Liste, mit der ich rechne:

  • Akkuschrauber mit Drehmomenteinstellung, sonst ziehen Sie die Klemmen kaputt oder zu lose
  • Crimpzange und passendes Werkzeug für MC4-Steckverbinder, vom selben Hersteller wie die Stecker
  • Drehmomentschlüssel für die Modulklemmen
  • Winkelschleifer für die Ziegel
  • Sicherungsseil, Auffanggurt und Anschlagpunkt, dazu ein Gerüst

Beim letzten Punkt höre ich oft “ach, ich bin schwindelfrei”. Das hat mit Schwindelfreiheit nichts zu tun. Die DGUV-Regeln verlangen ab 3 Metern Absturzhöhe eine Absturzsicherung, und auf einem Einfamilienhaus sind Sie schnell bei 6 oder 7 Metern Traufhöhe. Ein Gerüst für ein normales Haus kostet im Verleih für zwei Wochen rund 600 bis 1.000 Euro. Das ist kein Posten, an dem man spart.

Was es am Ende kostet

Hier die ehrliche Rechnung für eine typische 8-kWp-Anlage ohne Speicher, einmal komplett vom Betrieb, einmal mit Eigenmontage des Dachteils.

Posten Komplett vom Fachbetrieb Dach selbst, AC vom Elektriker
Module, Wechselrichter, Unterkonstruktion 6.500 - 8.500 Euro 6.500 - 8.500 Euro
Gerüst im Preis 600 - 1.000 Euro
Mechanische Montage 2.000 - 3.500 Euro 0 Euro (Ihre Arbeit)
Elektrischer Anschluss und Inbetriebnahme im Preis 1.000 - 1.800 Euro
Gesamt 9.500 - 13.500 Euro 8.100 - 11.300 Euro

Sie sehen: Die Ersparnis ist real, aber kleiner, als viele hoffen. Realistisch bleiben bei der 8-kWp-Anlage 1.200 bis 2.000 Euro hängen. Dafür stecken Sie zwei bis vier Arbeitstage auf dem Dach, übernehmen das volle Risiko für die Montage und finden seltener einen Elektriker, der nur den AC-Teil einer fremden Montage abnimmt. Viele Betriebe lehnen genau das ab, weil sie für die ganze Anlage geradestehen sollen, die sie nicht selbst gebaut haben. Klären Sie das vorher, nicht wenn die Module schon oben liegen.

Der Punkt, an dem es richtig teuer wird

Versicherung und Gewährleistung sind das, was in den Heimwerker-Foren fast immer fehlt. Und es ist der teuerste Teil.

Die Produktgarantie auf Ihre Module, meist 12 bis 15 Jahre, bleibt bei Eigenmontage erhalten, solange Sie die Module nicht beschädigen. Die Leistungsgarantie über 25 oder 30 Jahre kann der Hersteller aber an eine fachgerechte Montage knüpfen. Steht so im Kleingedruckten, und im Streitfall müssen Sie die fachgerechte Ausführung belegen. Ohne Montageprotokoll wird das schwer.

Schwerwiegender ist die Gebäudeversicherung. Wenn Ihre selbst verlegte Steckverbindung in fünf Jahren einen Dachstuhlbrand auslöst, prüft die Versicherung, ob die Anlage fachgerecht errichtet wurde. Bei einer Eigenmontage ohne Nachweis kann sie die Leistung kürzen oder verweigern. Ich habe einen solchen Fall in der Nachbarschaft erlebt, da ging es um eine sechsstellige Summe, und der Streit lief über Jahre. Melden Sie Ihre Anlage in jedem Fall der Gebäudeversicherung, oft ist sie bis zu einer bestimmten Leistung sogar beitragsfrei mitversichert.

Mein praktischer Rat: Lassen Sie sich vom Elektriker, der den AC-Teil macht, die mechanische Montage zumindest sichtprüfen und das schriftlich festhalten. Das kostet eine Stunde extra und ist im Schadensfall Gold wert.

Für wen sich der Eigenbau wirklich lohnt

Nach gut zwanzig Jahren auf Dächern habe ich eine recht klare Meinung dazu. Selber bauen lohnt sich, wenn Sie ein einfaches Satteldach mit Standardziegeln haben, handwerklich sicher sind und schon einmal etwas Größeres gebaut haben. Auf so einem Dach ist die Montage Routine, und Sie holen Ihre 1.500 Euro Ersparnis ohne großes Drama heraus.

Finger weg würde ich lassen bei Flachdächern mit Aufständerung, bei Trapezblech, bei alten Dächern mit unklarer Statik und bei allem, wo ein Speicher mit Notstromfunktion dazukommt. Da überwiegt das Risiko die Ersparnis deutlich. Ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt, das Sie in die Steckdose stecken, ist übrigens etwas völlig anderes und für jeden machbar. Das ist der echte Einstieg ins Selbermachen, nicht die Dachanlage.

Wenn Sie es angehen, holen Sie sich vor dem ersten Dachhaken eine Zusage von einem Elektriker, dass er den Anschluss übernimmt. Ohne die schriftliche Zusage würde ich kein einziges Modul bestellen.

Häufige Fragen

Darf ich meine Solaranlage als Privatperson selbst montieren?+

Die mechanische Montage, also Dachhaken, Schienen und das Auflegen der Module, dürfen Sie als Eigentümer selbst machen. Der elektrische Anschluss an Ihr Hausnetz und die Inbetriebnahme müssen aber durch einen eingetragenen Elektrofachbetrieb erfolgen. Das schreibt die Niederspannungsanschlussverordnung vor, und nur dieser Betrieb kann die Anlage beim Netzbetreiber anmelden.

Wie viel spare ich, wenn ich die Solaranlage selbst baue?+

Bei einer 8-kWp-Anlage liegt die Montage normalerweise bei 2.000 bis 3.500 Euro. Wenn Sie das Dach selbst machen und nur den elektrischen Teil vom Fachbetrieb erledigen lassen, bleiben davon oft 1.200 bis 2.000 Euro übrig. Material und Gerüst zahlen Sie trotzdem.

Verliere ich die Garantie, wenn ich selbst montiere?+

Die Produktgarantie auf die Module bleibt bestehen, solange Sie sie nicht beschädigen. Die Leistungsgarantie kann aber an eine fachgerechte Montage gekoppelt sein. Und die Gewährleistung auf die Montage selbst gibt es nur, wenn ein Betrieb sie ausgeführt hat. Bei Eigenmontage haften Sie für jeden Verlegefehler selbst.

Welche Schritte muss zwingend ein Elektriker machen?+

Der Anschluss des Wechselrichters an die Hausverteilung, das Setzen eines passenden Leitungsschutzschalters, der Zählertausch beziehungsweise die Abstimmung mit dem Messstellenbetreiber und die Inbetriebnahme samt Protokoll nach VDE-AR-N 4100. Auf der DC-Seite treten schnell über 600 Volt auf, das ist kein Bereich für Heimwerker.

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